Pendelrollenlager
Lieferprogramm, technische Auswahl, Ausführungen & FAQ
Pendelrollenlager verfügen über zwei Reihen ballig geformter Wälzkörper, welche in einem hohlkugeligen Außenring laufen. Die Laufbahnen des Innenrings sind dabei in Richtung der Wälzkörper geneigt, damit die Unterstützung der Rollen gewährleistet ist. Durch die hohlkugelige Form der Lauffläche des Außenrings kann der Innenring ausschwenken und Fluchtungsfehler der Welle bis zu einem gewissen Grad ausgleichen.
Lieferprogramm
| Baureihe | Beschreibung | lieferbar in ABEG® Leistungsklassen | |||
|---|---|---|---|---|---|
| 213 | zylindrisch -K: konische Ausführung | ||||
| 222 - 223 | zylindrisch -K: konische Ausführung | ||||
| 230 - 231 - 232 - 238 - 239 | zylindrisch -K: konische Ausführung | ||||
| 240 - 241 - 248 - 249 | zylindrisch -K: konische Ausführung | ||||
| BS2-22...-2RS - BS2-23...-2RS | abgedichtete Pendelrollenlager Alternative Bezeichnungen: | ||||
| Pendelrollenlager für Schwingsiebe | |||||
- axiale Belastung - Fa
- | Axiale und Radiale Belastung
- | Betriebsspiel
- | dynamisch äquivalente Belastung - P
- | dynamische Tragzahl - C
- | Elektroerosion
- | False Brinelling
- | Lagerluftklassen C2, CN, C3 und C4
- | Lagerluftklassen MC1, MC2, MC3, MC4, MC5 und MC6 für Miniatur-Rillenkugellager
- | Lebensdauerberechnung
Technische Informationen
Pendelrollenlager können Winkelfehler ausgleichen.
| Baureihe | Einstellwinkel bei P<0,1 * Cr |
|---|---|
| 213, 222, 230, 239, 240, 241 | 1,5° |
| 223, 231, 232, 233 | 2° |
Diese Angaben gelten für
- statischen Winkelfehler
- umlaufenden Innenring
Die Lagerluft im Lager wird durch die Kennzeichen C (C0, C2, C3 ...) gekennzeichnet.
C0/CN: Standardlagerluftklasse. Kennzeichen wird in der Regel weggelassen.
C2: verringerte Lagerluft
C3: höhere Lagerluft als C0/CN
C4: höhere Lagerluft als C3 - inbesondere für Vibrationsmaschinen- und Schwingsieblager
C5: höhere Lagerluft als C4 - insbesondere bei Hochtemperaturlagern im Einsatz.
Konische Pendelrollenlager werden mit Spann- oder Abziehhülse auf der Welle befestigt. Dabei ist das Anzugsmoment so zu beachten, dass die Lagerluft nicht unzulässige eingeschränkt wird. Nach Montage ist die Leichtgängigkeit der Lager zu kontrollieren.
Es stehen verschiedene Möglichkeiten der kontrollierten Montage durch Hydraulikmutter in Verbindung mit der Messung des Verschiebeweges zur Verfügung, die eine sichere Montage von Pendelrollenlagern auch mit C0/CN Lagerluft gewährleistet. Nähere Beratung erhalten Sie durch unsere Anwendungstechnik.
Für Montage mit Spannhülse ist die Ausführung C3 zu empfehlen, da die erhöhte Lagerluft ein stärkeres Anzugsmoment ermöglicht.
Anschlussmaße und Rundlaufgenauigkeit beeinflussen entscheidend die Lebensdauer und die Funktion des Wälzlagers. Die Auswahl der Wellen-, Gehäuse- und der Lagerpassung sind daher grundsätzlich vorab zu prüfen.
Folgende Toleranzklassen sind verfügbar:
- Standardtoleranzen ab Lager lieferbar: P0/PN
Käfigarten können je nach Baugröße und Anwendungsart variieren. Wir führen diverse Käfigausführungen aus Stahlblech. Messing und Kunststoff.
Lager ohne gesonderte Kennzeichnung haben einen Stahlblechkäfig.
| Käfigausführungen | Kennzeichen | Bemerkung |
| Stahlblech | ST | |
| Messingblech | M, MB, MA | |
| Kunststoff glasfaserverstärkt | TVPB, KU | Glasfaseranteil 25 %, (Standard) |

Pendelrollenlager (ohne Abdichtung) werden mit einem Konservierungsöl ausgeliefert. Der Schmierstoff ist anwendungsspezifisch separat auszuwählen.
Eine auf die Anwendungsbedingungen präzise abgestimmte Schmierstoffwahl trägt überproportional sowohl im positiven wie im negativen zur Lebensdauer bei. Daher ist eine technisch wie wirtschaftliche Optimierung des Schmierstoffs ein wichtiger Beitrag unserer Anwendungsberatung.
Wesentliche Eigenschaft von Fetten und Ölen ist die zuverlässige mechanische Trennung der Rollkörper von den Laufbahnen. Je nach Anwendungsfall benötigt man spezielle Fette, um diese Funktion zu erreichen. Gerade folgende Eigenschaften wirken sich auf die Funktion aus:
- Anlauf- und Betriebstemperatur
- Drehzahl des Lagers
- externe Umgebungsbedingungen (Feuchtigkeit, Verschmutzung, Dämpfe/Gase ...)
Unsere Anwendungstechnik analysiert gerne Ihre Anwendungsbedingungen und empfiehlt passende Befettungen.
Weitere Infos zu Sonderbefettungen Kontakt zur Anwendungsberatung
Folgende Schmierstoffhersteller werden von uns standardmäßig eingesetzt:
- Kyodo Yushi
- Klüber Lubrication
- Shell
- Lubcon
- Mobil
- Fuchs
Gerne unterbreiten wir Ihnen ein konkretes Angebot für Sonderbearbeitungen, auch mit ganz speziell von Ihnen gewünschten Fetten, Ölen oder Konservierungen.
Ringe
Außen- und Innenringe werden standardmäßig aus 100Cr6 (deutsche Norm), SUJ2 (japanische Norm) oder GCr15 (chinesische Norm) hergestellt.
Käfig
Stahlblechkäfige werden standardmäßig aus DC01A/ST12 gefertigt, Messingkäfige aus gefrästem Messing-Vollmaterial.
Kunststoffkäfige (Nachsetzzeichen TN, TV,TVP ...) können unterschiedliche Spezifikationen aufweisen, sind meist aber aus Polyamid. Hochtemperaturausführungen aus PEEK.
Dichtungen
Standardmäßig sind Dichtungen aus NBR (Acrylnitril-Butadien-Kautschuk) hergestellt. Daraus ergibt sich eine Einsatztemperatur von -30 °C bis +100 °C auch wenn das Fett eine höhere Temperatur zulässt.
Externe Umwelteinflüsse können bei mangelhafter Abdichtung die Laufeigenschaften und damit die Lebensdauer extrem negativ beeinflussen. Daher sollten Lager durch Dichtungen geschützt werden. Lager mit beidseitiger Dichtung sind grundsätzlich lebensdauergefettet. Gleichzeitig verhindern Dichtungen auch das Austreten des Schmierstoffs.
BS2-22x-2RS | BS2-23x-2RS
Pendelrollenlager der Baureihe 222 und 223 sind auch in -2RS mit je einer schleifenden NBR-Dichtung je Lagerseite lieferbar.
- 222er Baureihe -> BS2-22xx-2RS
- 223er bauriehe -> BS2-23xx-2RS
Aufgrund der Dichtung sind die Tragzahlen der abgedichteten Version durch kürzere Rollen reduziert. Die Vorteile einer integrierten Dichtung machen dies jedoch in vielen Anwendungsfällen schnell wett:
- Längere Fettgebrauchsdauer
- weniger Bedaf an externer Dichtung und damit
- geringerer Platzbedarf und leichtere Konstruktionen
- verlängerte Gebrauchsdauer
- umweltschonend und kostengünstig durch reduzierten Fettverbrauch
- weniger Aufwand in der Instandhaltung
Pendelrollenlager für Vibrationsmaschinen
Pendelrollenlager für Schwingsiebanlagen und Vibrationsmaschinen müssen höchsten Ansprüchen durch extreme Zentrifugalkräfte und Beschleunigungen auf Rollen und Käfige genügen. und werden in der Maßreihe 223 angeboten. Sie haben standardmäßig eine Lagerluft nach C4 und haben im Außenring eine umlaufende Schmiernut mit drei Schmierbohrungen (W33).
Wir führen Pendelrollenlager mit den höchsten am Markt verfügbaren Tragzaghlen des Hersteller Nachi im Programm.
Was man über Pendelrollenlager wissen sollte
Was ist ein Pendelrollenlager?
Ein Pendelrollenlager ist ein Wälzlager, das durch seine besondere Bauweise hohe radiale und axiale Kräfte gleichermaßen aufnehmen kann – auch unter schwierigen Bedingungen. Die Besonderheit: Statt Zylinderrollen kommen sogenannte Tonnenrollen zum Einsatz. Diese sind symmetrisch geformt und laufen in einer sphärisch ausgeführten Laufbahn des Außenrings. Dadurch kann sich der Innenring samt Wälzkörperpaket um einige Grad gegenüber dem Außenring neigen. Der Effekt: Fluchtungsfehler, also geringfügige Winkeldifferenzen zwischen Welle und Gehäuse, werden ausgeglichen. Das macht Pendelrollenlager besonders robust und universell einsetzbar – selbst unter starken Belastungen und in rauen Umgebungen.
Im Zentrum der Funktion steht die Kombination aus symmetrischen Tonnenrollen und einem sphärisch geformten Außenring. Diese Bauweise erlaubt eine pendelnde Bewegung des Innenrings, die zur Kompensation von Winkelfehlern dient. Bei offenen Ausführungen sind bis zu 2° Abweichung möglich, bei abgedichteten Varianten etwa 0,5°. Gleichzeitig sorgt die Tonnenform der Rollen für eine stabile Kraftübertragung – sowohl radial als auch axial. Die Lager sind für mittlere Drehzahlen ausgelegt und benötigen, wie jedes Wälzlager, eine Mindestbelastung für eine saubere Abrollbewegung. Diese liegt bei der Standardausführung bei einem Verhältnis von C₀/P < 80. Bei verstärkten Lagern (Typ E) liegt sie bei C₀/P < 100.
Pendelrollenlager bieten eine seltene Kombination aus Robustheit, Vielseitigkeit und Belastbarkeit. Die wesentlichen Vorteile:
- Nehmen hohe radiale und axiale Kräfte gleichermaßen auf
- Winkelfehlerausgleich (z.B. wegen Wellendurchbiegung)
- Verfügbar in drei Leistungsklassen – sehr kostengünstige Ausführungen möglich
- Sehr gängig am Markt, gute Verfügbarkeit bei kleinen und mittleren Durchmessern.
- Halten hohen Stoßbelastungen stand. Spezielle Ausführungen – sogenannte Schwingsieblager – gibt es für permanente Vibrationen. Auch in abgedichteter und vorgefetteter Version verfügbar
- Einfache Montage bei kleineren bis mittleren Größen, noch verbessert durch Ausführungen, die mit einer Spannhülse befestigt werden.
Pendelrollenlager gibt es in unterschiedlichen Ausführungen, angepasst an die jeweiligen Einsatzbedingungen.
Unterscheidung nach Montageart:
- Zylindrischer Innenring für Montage auf einer Welle
- Konischer Innenring zur Montage mit einer Spannhülse
- Abgedichtete Lager mit Fettschmierung
Unterscheidung nach Käfigausführung:
- Mit Bord am Innenring
- Innenringgeführter schwimmender Mittelbord
- Außenringgeführter schwimmender Mittelbord
- Ohne Mittelbord (weder fest noch schwimmend)
- Mit Stahl oder Messingkäfig, teilweise auch mit Kunststoffkäfig verfügbar.
- Einteiliger oder zweigeteilter Käfig
Beispiele für Lagerdesign bei Pendelrollenlagern mit losem Mittelbord:
1. Zwei Stahlblechkäfige, Führung am Innenring
2. Zwei Stahlblechkäfige, Führung am Außenring
3. Doppelkammkäfig aus Messing, Führung am Innenring, Innenring mit zwei seitlichen Halteborden
Die verstärkte Ausführung E steht für eine Lagerbauart mit erhöhter Tragzahl. Das Besondere: Durch Weglassen des Mittelbords im Innenring entsteht axial mehr Bauraum. Dieser wird genutzt, um breitere Wälzkörper einzusetzen – und das erhöht die Tragfähigkeit deutlich. Lager mit E-Kennzeichnung sind damit besonders leistungsfähig bei hoher radialer Belastung. Die verstärkte Bauweise bringt zudem eine veränderte Mindestbelastung mit sich – sie liegt bei C₀/P < 100 statt < 80 wie bei der Standardausführung.
Pendelrollenlager finden sich überall dort, wo Belastungen groß sind und Fluchtungsfehler nicht ausgeschlossen werden können. Typische Anwendungsgebiete: Schwermaschinenbau, Förderanlagen im Bergbau, Papiermaschinen, Windkraftanlagen, Mahlwerke, Schwingsiebe oder Schiffswellen. Auch im Baugewerbe und in der Zementproduktion sind sie Standard. Ihr Vorteil: Sie arbeiten zuverlässig, auch wenn die Bedingungen rau und die Lagerstellen schwer zugänglich sind. Und genau da spielen geteilte Varianten ihre Stärke aus – sie vereinfachen Montage und Wartung erheblich.
Beim Einsatz von Pendelrollenlagern wird überwiegend wird auf eine Fettschmierung gesetzt. Im Getriebebau wird hingegen bevorzugt eine Ölschmierung verwendet. Es gibt zudem Ausführungen von Pendelrollenlagern mit integrierter Dichtung analog zu abgedichteten Rillenkugellagern, die eine sehr einfache wartungsarme Lösung bieten.
Generell wird anhand der Lebensdaueranforderung die Dimensionierung anhand von Belastung und Drehzahl bestimmt. Weitere Einflussfaktoren wie Mindestbelastung, Stoßbelastungen, Vibrationen, Wärmeentwicklung und Notlaufeigenschaften führen zu einer detaillierten Spezifikation. Wenn konstruktiv die Dimension des Lagers bereits von Welle und Gehäusemaßen vorgegeben ist, lassen sich durch die Wahl einer niedrigeren Leistungsklasse erhebliche Produktkosten einsparen. Hier sollte sich der Anwender von einem Wälzlagerspezialisten beraten und eine Lebensdauerberechnung unbedingt durchführen lassen.
Leistung heißt beim Pendelrollenlager: tragfähig, langlebig, betriebssicher. Und das wird beeinflusst von mehreren Parametern. Zuerst die Belastung: Dauerlast, Stoßbelastung, Lastwechsel. Dann die Schmierung – sie muss zum Lager, zur Drehzahl und zur Umgebung passen. Auch die Drehzahl selbst begrenzt die Lagerwahl: Pendelrollenlager sind nicht für sehr hohe Drehzahlen gedacht. Montage spielt ebenfalls eine Rolle: Ein Presssitz auf der Welle ist nötig – besonders bei konischen Innenringen mit Spannhülse. Wichtig: Die Lagerluft muss kontrolliert reduziert werden. Ein weiterer Faktor ist der Fluchtungsfehler. Dieser sollte innerhalb der zulässigen Grenzen bleiben (max. 2° bei offenen Lagern).
Bei der Monate ist auf ein ausreiches Betriebsspiel zu achten. Dies wird im Wesentlichen durch die Montageart (direkt auf Welle oder mit Spannhülse) beeinflusst. Das Lagerspiel sollte nach der Montage mit einer Fühlerlehre kontrolliert werden.
Für eine saubere Abrollbewegung ist wie in allen Wälzlagern eine Mindestbelastung notwendig. Diese liegt für die normale Ausführung bei ca. C₀/P < 80 und bei der verstärkten E-Ausführung bei etwa C₀/P < 100























